Berichte
Boot und Bahn
Bericht mit Bildern über eine Faltbootfahrt auf Wümme und Weser 2007 als PDF-Datei zum Herunterladen, ca. 1500 kB
Winterfahrt auf der Hache, Januar 2009
Wintertour auf der Hache
Freitag der 23. Januar 2009, es schneit in Verden, Bodentemperatur knapp über 0 ° C, trotzdem lade ich mein Kleinflussboot auf den Dachträger. Am Sonnabend bietet Konrad eine Fahrt auf der Hache an, wir treffen uns an der Wassermühle in Sudweyhe. Die Hache fließt am östlichen Rand der Wildeshauser Geest von Neubruchhausen nach Kirchweyhe und mündet dort in die Ochtum.
Vor Ort staunen wir nicht schlecht über den hohen Wasserstand. Das Wasser rauscht mit Macht über die Schwallstrecke vor der Mühle, spontan beschließen wir, den guten Wasserstand auszunutzen und nicht nur bis zur Mühle sondern sogar bis zur Mündung in die Ochtum zu paddeln und außerdem weiter stromauf als geplant einzusetzen. Diesen Abschnitt hat Konrad schon seit über 10 Jahren nicht mehr befahren. Erstaunlicherweise kommt die Sonne durch (trotz des eigentlich anderslautenden Wetterberichts), weitere Paddler lassen sich nicht sehen, die Boote werden umgeladen und auf geht´s nach Jardinghausen.
In einer engen Passage mit Leitplanken führt die schmale Straße über das tief eingeschnittene Flusstal. Das Einsetzen gestaltet sich nach Überwinden von Hang und Stacheldraht recht einfach, endlich sind wir auf dem Bach, es ist schon halbelf. Eng, flach, sandig, kurvenreich, im Sommer bestimmt kein Durchkommen. Die Säge liegt bei Konrad im Auto in Kirchweyhe, das Buschwerk wird dichter. Da Konrad Fahrtenleiter ist, die Strecke kennt und außerdem ein neues, quietschgelbes, sehr robustes (zumindest total schweres) PE-Wildwasserboot hat, darf er vorfahren. Glücklicherweise hat er eine robuste Rosenschere dabei, die sich auf den nächsten Flussabschnitten mehrfach bewährt. Immer wieder Blockieren umgestürzte Bäume und dichtes Buschwerk die Weiterfahrt. Die Paddelpfötchen verschwinden gleich wieder unter Deck, viel zu umständlich, die Hände immer rein und raus zu fummeln.
Mehr als einmal müssen wir aus den Booten heraus und über tlw. sumpfiges Gebiet im Bruchwald umtragen. Wir stützen uns auf den Booten ab, um nicht einzusinken. Wieder auf dem Fluss, liegt ein dicker Stamm quer. Zu niedrig zum unten Durchmogeln, zu hoch zum Drüberhopsen, jedenfalls für mich. Konrad hüpft mit seinem stabilen WW-Boot über den Stamm, diese Belastung traue ich meinem alten Klepperboot nicht mehr zu, also raus. Wiedereinsetzen ist nur im direkten Anschluss quasi auf der Kante der folgenden Stufe möglich, natürlich ohne die Spritzdecke schließen zu können und mit dem Paddel in den Ästen hängend und mit guter Strömung unterm Hintern und direkt anschließender Kehre ... mit Glück geht es ohne Kenterung weiter. Für die ersten drei Flusskilometer haben wir anderthalb Stunden gebraucht, sehen ziemlich dreckig aus, haben allerdings kaum Verluste erlitten (außer einer pitschnassen Pudelmütze) und freuen uns tatsächlich des Paddlerlebens.
Ab Halbetzen wird das Flussbett etwas breiter, die Fahrt entspannter. Die Sonne kommt noch stärker durch, der Wind weht sanft von achtern, nach weiteren sechs Kilometern machen wir vor der Sohlgleite mitten in Syke auf einer Parkbank unsere erste Rast – Bäcker und Fleischer um die Ecke und endlich gibt es heißen Ostfriesentee aus der Edelstahlthermos. Draußen kühlt man schnell aus, bald sitzen wir wieder in den Booten und rutschen über eine lange Sohlgleite weiter in Richtung Barrien. Konrad bleibt trotz guten Wasserstandes mit seinem WW-Boot hängen, ich bin mit ausreichendem Abstand hinter ihm, und kann noch abwarten, bis er sich befreit hat. Wenn schon Sohlgleiten eingebaut werden, warum ist es dann nicht möglich, die Fahrrinne so zu gestalten, dass sie sowohl für Kanuten als auch für andere Wasserlebewesen einfacher zu überwinden sind?
Das Flüsschen wird windungsreicher, die Baumhindernisse nehmen wieder zu. Zwei/drei sehr niedrige Durchfahrten sind nur mit gegenseitigem Aufliegen möglich, es kostet mich schon etwas Überwindung, das Kayak über den Kenterpunkt zu kippen und mich auf Konrads Boot zu stützen, aber anders kommt man da nicht durch.
Es rauscht wieder, die nächste Sohlgleite an der Kunstmühle in Barrien kündigt sich an, wir rumpeln runter, von Materialschonung kann nicht die Rede sein. Ab jetzt nimmt die Hache mehr den Charakter eines Wiesenflusses an, die Waldpartien treten zurück. Ein paar kleine Sohlschwellen plätschern lustig, ab Jeebel folgt eine etwas eintönigere Strecke, die Strömung lässt nach. Kurz vor Kirchweyhe finden an der Hache umfangreiche Wasserbaumaßnahmen statt, sieht aus, als wenn zusätzliche Überschwemmungsbereiche/ -rinnen geschaffen werden sollen, gar nicht immer so klar, wo sich nun eigentlich das Flussbett befindet.
Mittlerweile ist der Himmel dunkler geworden und es grummelt, dass ist aber kein Gewitter, sondern die lange Sohlgleite vor der Wassermühle in Sudweyhe, die wir Dank des guten Wasserstandes unter den staunenden Augen von Spaziergängern und Kindern mit Juchhe hinuntersausen. Anschließend folgt noch eine schöne Waldpartie (wieder recht flach) bis die Hache bei Kirchweyhe in die Ochtum mündet. Mit den ersten Regentropfen beenden wir unsere Paddeltour, die Wettervorhersage trifft nun doch zu, nur das der Regen sich etwas verspätet hat.
Meine Erstbefahrung der Hache war ein voller Erfolg, eine sportliche Herausforderung mitten im Flachland, mindestens WW 1. Aufgrund des oft niedrigen Wasserstandes dürfte die Tour in dem von uns befahrenen Abschnitt so schnell nicht zu wiederholen sein. Und ohne Termin im Fahrtenprogramm wären wohl weder Konrad noch ich an diesem Sonnabend im Januar auf die Idee gekommen, Paddeln zu gehen. Auf der Hache. Schade, wenn wir das verpasst hätten ... .